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Book Review
Mundtot Lebensgeschichte des im Alter von drei Jahren psychiatrisierten und erst
14 Jahre später wieder freigekommenen Jürgen Schubert. Einleitung
von Heinz Tietjen, Nachwort von Johanna Michel-Brüning Jürgen Schubert ist Sohn eines russischen Besatzersoldaten und einer deutschen Frau. Als ihr deutscher Ehemann aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, verleugnet sie ihre Liebesbeziehung und behauptet, sie sei Opfer einer Vergewaltigung. Für Jürgen Schubert beginnt eine qualvolle Zeit. Als »nicht gewolltes« Kind wird er verstoßen und im Alter von drei Jahren, trotz geistiger und körperlicher Gesundheit, psychiatrisiert. Aus eigener Kraft gelingt es ihm im Alter von siebzehn Jahren, die Mauern der Psychiatrie hinter sich zu lassen. Neben der Erzählung Jürgen Schuberts wird seine Lebensgeschichte durch etliche Dokumente, psychosoziale Beiträge und ein aktuelles Interview auf eindrucksvolle Weise wiedergegeben. Einleitung Jürgen Schubert geht seinen Anfängen nach. Er setzt dabei ein mit der Situation seiner Mutter und seiner drei Geschwister unmittelbar nach Kriegsende im Chaos von Schlesien. Die neue polnische Regierung kündigt an, dass sie 4,2 Millionen Polen aus den jetzt von Russland beanspruchten Gebieten nach Schlesien umsiedeln will. Damit bleibt kein Platz mehr für die dort noch ansässigen deutschen Bewohner. In diesem Tohuwabohu lässt sich die durch die Kriegswirren von ihrem Mann getrennte junge Frau mit einem russischen Soldaten ein und bezahlt diese vorübergehende Sicherheit mit der folgenreichen Empfängnis eines Kindes. Damit sind wir an den Wurzeln der Existenz von Jürgen Schubert angekommen. Er kommt nach der Vertreibung im Westen zur Welt und wird von dem Ehemann seiner Mutter nicht anerkannt. Zu dieser Zeit ging es vielen Kinder so, dass sie nicht erwünscht waren, ob nun ehelich gezeugt oder nicht. Die schwierigen Lebensverhältnisse der Nachkriegszeit machten die Lasten nicht leichter, wenn ein Kind hinzukam. Doch dieses Kind war durch die besonderen Bedingungen des verlorenen Krieges gezeichnet. Der verletzte Stolz des »betrogenen« Ehemanns gepaart mit den nationalen Vorbehalten gegenüber den Soldaten der sowjetischen Siegermacht ließ einen Verbleib des Kindes in der Familie nicht zu. So folgte aus der familienübergreifend schwierigen Ausgangssituation ein Lösungsweg, der Jürgen Schubert mit dem deutschen Anstaltswesen vertraut machen sollte. Seine Annäherungsversuche an die mehr als ein Dutzend Jahre in einer westfälischen Anstalt sind sehr vorsichtig, verhalten, und die Szene ist in ausgewählten Bildern nur ausschnitthaft beschrieben. So bleibt manche kritische Momentaufnahme für Leser, denen diese Welt fremd ist, stark verschlüsselt und bedarf der Ergänzung und Erläuterung. Die als Verbannungsort aus einem Leben in der Gemeinschaft funktionierende Anstalt ist aber doch in mancher Momentaufnahme spürbar, vorausgesetzt, wir als Betrachter öffnen uns für die Bedeutung der überwiegend in leisen Tönen angelegten Rückschau. So kann letztlich doch nicht verborgen bleiben, mit welchen Mechanismen die Anstalt ihrer Insassen Herr wurde. Es bedarf dabei aber aller unserer aufnehmenden Sinne, um an dem Unternehmen »Zurück zu den Wurzeln des Jürgen Schubert« teilzuhaben. Aussagekräftige Details verhelfen uns schrittweise dazu. Bei näherem Hinsehen erschließt sich uns, welche Tücken die Anstaltswelt für den Insassen bereit hält. »Zur Beruhigung bekam ich ein paar süße leckere Bonbons, die mich müde machten. Durch diese Bonbons hatte ich eine Zeit lang kein Verlangen mehr nach irgend etwas. Dies wiederholte sich sehr oft.« Die Anstalt macht sich ihre Bewohner gefügig. Störungen werden durch die chemische Zwangsjacke im Keime erstickt. Eine Errungenschaft der 50er Jahre. Verharmlosend werden hier die Pillen als »Bonbons« bezeichnet, die für Ruhe sorgen. Heute sehen wir den Umgang mit Psychopharmaka etwas differenzierter, ohne dass es immer leicht fällt, die gewollte Hilfe abzuwägen mit den nicht gewollten Nebeneffekten. Doch hier geht es nicht um eine Behandlung, sondern um die Unterdrückung des Kindseins an sich. Dieses Kind soll sich nicht Gehör verschaffen können, sondern sich eingliedern lassen in die graue Anstaltsgemeinde, persönliche Bedürfnisse als unerwünschte, krankhafte Störungen hinter sich lassen. Neben der einebnenden Gleichmacherei wird gleichzeitig die Aufnahmefähigkeit drastisch vermindert, somit das besonders in Kindheit und Jugend für die Entfaltung der persönlichen Anlagen so außerordentlich wichtige Lernen erheblich erschwert. Der ursprüngliche Aufnahmegrund, hier die fehlende Akzeptanz durch die Familie, tritt in den Hintergrund zugunsten einer im Umfeld verursachten Lern- bzw. geistigen Behinderung. Die Anstalt beweist sich damit selbst, dass ihre Bewohner wegen ihrer Behinderung nicht in der normalen Welt leben können. Ein Teufelskreis, der für die Betroffenen kein Entrinnen vorsieht. »Im Johannes-Stift wurden die schweren körperlichen Arbeiten von Männern verrichtet, die selber als Waisen hier aufgewachsen waren. Obwohl die meisten von ihnen als geisteskrank oder als stark zurückgeblieben galten, wurden sie auch mit erzieherischen Aufgaben, zum Beispiel der Beaufsichtigung und Bestrafung der Kinder, bedacht.« Ein weiterer Mechanismus der Institution wird deutlich in der Abstufung der betreuenden Personen. Da sind nicht nur die zum Teil recht freundlich geschilderten, in ihrer Einfachheit aber auch überfordert wirkenden betreuenden Frauen des ländlichen Umfeldes, sondern auch die älter gewordenen behinderten Männer, die als aus den Reihen der Insassen rekrutierte Hilfskräfte eingesetzt sind. Ein bewährtes Mittel der Anstaltsmacht, mit ihren selbst jahrzehntelang trainierten eigenen Kreaturen, genauer gesagt Opfern, wirkungsvoll zu agieren. So müssen diese Männer, systembedingt zu Krüppeln gemacht, am kurzen Zügel geführt, zum Erhalt ihrer pathologischen Grundbedingungen beitragen. »Individuell behandelt wurden wir lediglich, wenn es um das Festsetzen von Strafen oder die Zulassung zu Diensten ging. Ansonsten verlief der Alltag für uns im Gleichschritt. Jegliche Förderung unserer Persönlichkeit unterblieb .Während zum Beispiel der Geburtstag als ein persönlicher Höhepunkt im Leben von Kindern außerhalb des Heimes gefeiert wurde, blieb uns dies völlig versagt. Selbstwertgefühl sollte und durfte bei uns nicht aufkommen. Wir verkamen zu Rädern einer großen Maschine, die sich drehen mussten, ohne dass wir Richtung und Tempo selbst bestimmen konnten.« Hier tritt die Einzelpersönlichkeit in den Hintergrund. Die Anstalt nivelliert, um ihre Regentschaft zu sichern. Das Rollenverständnis ist ein für allemal festgelegt und duldet keinerlei Abweichung. Werden individuelle Bedürfnisse geltend gemacht, werden sie sofort als Störung ausgemacht und mit aller verfügbaren Macht zurückgedrängt. Die Berechtigung wird abgeleitet aus der Generallinie: Individuelle Bedürfnisse entspringen einer behinderten bzw. krankhaften Persönlichkeit und sind zum Wohle der Betroffenen zu »behandeln«. Das Anstaltswesen, das für wesentliche Jahre seines Lebens prägend bleibt, ist nicht nur auf die Nachkriegssituation in Deutschland beschränkt. So beschreibt dieses Phänomen der Schwede Gunnar Dybwad, ehemaliger Präsident der Internationalen Liga der Vereinigung für Menschen mit geistiger Behinderung, 1985 mit folgenden Worten: »Die Anstalten waren unbestreitbar jahrelang das Zentrum der Bemühungen für geistig behinderte Menschen. In manchen Ländern gab es außerhalb der Anstalten keine anderen Einrichtungen für geistig behinderte Menschen oder irgendwelche sonstigen Hilfsangebote. Die Anstalten boten beides: Stabilität und Fortschritt. Sie hatten spezialisiertes Personal auf zunehmend mehr Fachgebieten. Sie waren Zufluchtsorte nicht nur für Menschen mit geistiger Behinderung, sondern indirekt ebenso für deren Eltern. Im Vergleich zu anderen sozialen Einrichtungen erwecken die Anstalten den Eindruck von Beständigkeit aufgrund ihrer Größe, ihrer Gebäude und ihres Grundbesitzes. Zudem lebte das Betreuungspersonal oft selbst dort, und die Anstalten führten außerdem zumindest in der Vergangenheit durch ihre Lage, weitab vom gesellschaftlichen Geschehen, ein Dasein im Verborgenen. Die Geschichte lehrt aber, dass auch Anstalten einmal zum Ende ihres Bestehens gelangen. Einst haben Waisenhäuser und Kinderheime eine wichtige Rolle gespielt, jetzt jedoch nimmt ihre Zahl stetig ab; in manchen Ländern gibt es sie schon nicht mehr. Ebenso erging es den Armenhäusern und den Tuberkulosesanatorien, von denen manche ironischerweise mit geistig behinderten Menschen belegt wurden. Die Entwicklungstendenzen, die in meinen Ausführungen im Hinblick auf grundlegende Erkenntnisse, Förderprogramme und rechtliche Belange aufgezeigt wurden, verringern zweifelsohne den Bedarf an solch traditionellen Anstalten ja stellen sie eines Tages vielleicht ganz in Frage. Hinweise auf den Beginn einer solchen Entwicklung lassen sich in England finden hier vor allem vorangetrieben durch Exodus, eine Vereinigung von Organisationen im Sozialwesen -, in Australien, Kanada und den USA und selbstverständlich in den skandinavischen Ländern, wo man von Anfang an vergleichsweise weniger große Anstalten hatte und sich auch viel früher um individualisierende Hilfe bemühte.« Das Phänomen der Anstalten wird hier beschrieben und muss aus dem Zitat Mitte der 80er Jahre bezogen auf Jürgen Schuberts Anstaltsdasein ergänzt werden. Ihn wirft es in die Anstalt als ein nicht primär behindertes, dafür aber nicht gewolltes Kind. Der Ort, an dem er leben muss, lässt seiner Umgebung nur den Schluss zu, dass er dort nur deshalb zu recht sein kann, wenn er selbst behindert oder krank ist. So verstellt sich abrupt der Blick auf seine Fehlplazierung, folgerichtig ist dann alles Abweichende von dieser Einordnung störend, krankhaft, und muss zu seinem eigenen Wohl unterbunden werden. So kommt es zwangsläufig zu Überreaktionen des Anstaltswesens auf jede kindgerechte Regung, hier gilt: das normale Verhalten ist außerhalb der Anstaltsnorm. Je mehr Energie das Kind für seine persönliche Entfaltung aufbringt, um so heftiger muss die Gegenreaktion sein. Verschärft wird diese krankmachende Ordnung durch die immer wieder aufbrechende Frage nach der Mutter, die erst für den inzwischen herangewachsenen jungen Mann in einer knapp beschriebenen Szene beantwortet wird. Dass wir über das Ergebnis der späten Begegnung so wenig erfahren, spricht eher dafür, dass die Sehnsucht nach dem Rückhalt in der eigenen Familie nicht mehr befriedigt werden kann. Im unmittelbaren Nachkriegsdeutschland ging es vielen Menschen sehr schlecht. Insbesondere ihre Wohnbedingungen, aber auch ihre Ernährungsbedingungen waren karg. Die Anstalten waren darüber hinaus ein Ort, an dem es in der Nazizeit aus Staatsraison organisierte Verschleppung und Ermordung behinderter Menschen gegeben hatte. In den unmittelbaren Nachkriegsjahren war dieses Problem völlig tabuisiert. Die in den Erinnerungen von Jürgen Schubert beschriebenen behinderten Männer waren Überlebende einer perfekten Mordmaschinerie, die sich gegen sogenanntes lebensunwertes Leben richtete. Entsprechend war auch die Einstellung der Gesellschaft gegenüber Menschen mit Behinderung sehr zwiespältig. Ein Mensch in einer Anstalt war in jedem Fall ein Mensch mit Behinderung. Dies ist ja auch ohne weiteres nachzuvollziehen, wenn man die ausschnitthaften Schilderungen von Jürgen Schubert mit der notwendigen Nachdenklichkeit liest. Die hierin enthaltene Botschaft, bei aller Zurückhaltung in bezug auf Kritik zu den hier handelnden Personen, ist überzeugend und eindeutig. Es ist ein trauriges Schicksal, aus dem es glücklicherweise ein Entkommen gegeben hat. Es mag auch stellvertretend stehen für die vielen Menschen, denen es nicht gelungen ist, sich aus diesem System zu befreien, oder denen es nicht vergönnt war, Unterstützung zu finden, um auf eigene Füße zu kommen. In bezug auf Menschen, die anders sind als wir uns selbst einschätzen, gelten aber auch nach wie vor die Lebensbedingungen der Nachkriegszeit. Erst in der nach der Einigung überarbeiteten Grundgesetzfassung wurde im Artikel 3 der Absatz 3 hinzugefügt: »Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.« Es ist zu hoffen, dass wir miteinander lernen, ein Benachteiligungsverbot als Chance zum Einstieg in ein Gleichstellungsgebot zu begreifen. Noch ist es keineswegs soweit, wie uns auch jüngste Urteile der Rechtsprechung gezeigt haben. Die Sorge, dass der Schutz des Schwächeren in der Gesellschaft zu einem Privileg werden könnte, führt immer wieder zu erstaunlichen Ausgrenzungen und letztlich neuen Benachteiligungen. Jürgen Schuberts Annäherung an seine schicksalhafte Kindheit und Jugend steht fühlbar stellvertretend für unsere eigene Gesellschaft und ihre Schwierigkeiten, mit Auswirkungen des Krieges und seiner Folgen umzugehen. Im Gegensatz zu vielen Schicksalsgefährten konnte er sich aus der Bevormundung durch die Anstalt befreien. Doch die damit verbundenen Erfahrungen wirken nach. Auf der Suche nach seiner eigenen Identität vermittelt er uns Lesern nicht nur, wieviel Elend uns erspart geblieben ist, sondern appelliert auch an uns, die verschont Gebliebenen, behutsam mit allen umzugehen, die vermeintlich anders sind, als wir selbst uns zu sein dünken. Es ist ihm zu wünschen, dass er im Abstand zu seiner belasteten Kindheit und Jugend den inzwischen mit Hilfe anderer, aber vor allem aus eigener, unbändiger Kraft zur Selbstbehauptung zurückgelegten Weg zur Selbstverwirklichung als tröstlichen Erfolg erleben kann. Heinz Tietjen, Dipl.-Psychologe Pressestimmen und weitere Kommentare Erinnerungen an das Leben hinter Gittern Jürgen Schubert
trug Eindrücke aus seinem Buch »mundtot« vor. Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe des Instituts Français in
Deutschland las Jürgen Schubert aus seinem Buch »mundtot«
am 9.4.2002 im Kulturinstitut Aachen. ... Jürgen Schubert war Gast
auf unserer Tagung und hat in einer Arbeitsgruppe über sein Schicksal
berichtet. Unermüdlich reist er von Autorenlesung zu Autorenlesung,
er beeindruckt sein Lesepublikum oft liest er in Gefängnissen
und seine Rezensenten. Eine Rezension spricht vom »Selfmademan«.
Das ist er wirklich. »Schuberts Lebensbericht ist im besten Sinne
die Geschichte eines Selfmademan. ... Das wahre Geheimnis aber bleibt
unbeantwortet, denn es verträgt keine vorschnellen Erklärungen
und Deutungen: Wie schafft es ein junger Mensch, gegen so viel Widerstand
zu überleben und zu einer eigenen Sprache zu finden?« Jürgen
Schuberts Energie ist bewundernswert und spiegelt sich in der Fülle
der Rezensionen, von Lokalblättern über »Bild« und
NZZ bis zu Fachzeitschriften.
Dem Autor, der nun in verschiedenen Regionen Deutschlands zu Lesungen
eingeladen wird und auf etliche Rezensionen verweisen kann, war Debilität
attestiert worden, als er mit 18 Jahren den Befreiungssprung von einem
psychiatrischen Heim in eine Bäckerlehre schaffte und beim Meister
Familienanschluss erhielt. Jürgen Schubert erzählt in seiner
Publikation berührend und nicht ohne traurigen Humor von seinem Dasein
als Kind und Jugendlicher, der aus heutiger Sicht fehlplaciert war oder
falsch behandelt wurde. ... Die mit Dokumenten und psychologischen Kommentaren
ergänzten Aufzeichnungen sind insofern ein Stück zeitgeschichtlicher
»Aufarbeitung« im Kleinen. ... Der Autor berichtet in einer biographischen Erzählung eindrucksvoll
von den Leiden der Kinder in der »Idiotenanstalt«, wie er
sie nennt, die oftmals, von der Außenwelt abgeschnitten, erst dort
psychisch krank wurden. Ausschnittsweise stellt er anhand einzelner Erlebnisse
den Anstaltsalltag, angereichert mit der Sehnsucht nach seiner Mutter,
dar. Besonders eindrucksvoll sind die im Buch abgedruckten Auszüge
aus Schuberts Krankenakte, die die von dem Autor erzählte Zeit in
einer distanzierten, kühlen Art ebenfalls wiedergeben. ... Ebenfalls
eine Bereicherung für »mundtot« ist der umfangreiche
Kommentar der Familientherapeutin Johanna Michel-Brüning, der den
Fall Schubert nachvollziehbar analysiert. Jürgen Schuberts Buch wird
durch eben dieses und durch andere Beiträge zu einer umfassenden
Dokumentation, die einerseits durch die wissenschaftliche Analyse und
andererseits durch die subjektive Erzählung des Autors sehr umfassend
und authentisch erscheint. ... Dieses Buch von dem Besatzungskind Jürgen Schubert Jahrgang
1946 löst in mir tiefe Gefühle aus. Es drückt in
einer nüchternen Sprache die starke Sehnsucht nach der Mutter aus.
Wir lesen ein zeitloses Dokument, das die Probleme der kindlichen Heimunterbringung
nachempfinden lässt. Die psychologisch interessante Frage wird aufgeworfen:
Wie schafft es ein junger Mensch, gegen so viel Widerstand zu überleben
und zu einer eigenen Sprache zu finden. ... »mundtot« erzählt leise, manchmal klingt Poesie
auf wie bei Heinrich Böll. Ein erbärmliches Schicksal, ein Blick
in das düstere Kapitel deutscher Heimgeschichte und damaliger psychiatrischer
Praxis, ein lesenswertes Buch mit einem exzellenten Nachwort der Familientherapeutin
Johanna Michel-Brüning aus Jülich, die schreibt: »Ich
verneige mich wieder einmal vor dem Wunder des Lebens und vor diesem einzigartigen
Schicksal.« ... Nicht zuletzt wegen der aufschlussreichen Einblicke in das Gefühlsleben
eines Menschen, der von seiner Mutter verleugnet wurde und der nie Kind
sein durfte, ist die Biographie des Bäckers und Konditors Jürgen
Schubert ein beeindruckendes Zeitdokument. Es ist ein spannendes Zeitdokument, dieses Buch, die Entlarvung einer
Gesellschaft, die, selbst noch schwer krank, einen gesunden Menschen für
krank erklärt und entsprechend mit ihm umgeht ... Es ist ein sehr
lesenswertes Buch, ein humanes Dokument. ... Wir verdanken ihm einen Einblick in eine deutsche Nachkriegspsychiatrie,
in der die Auswirkungen der Euthanasieprogramme des Nationalsozialismus
noch spürbar waren. Der Autor erspart uns die ausführliche Beschreibung
seiner Leiden. Sie finden eher sachliche Erwähnung. Dagegen lässt
er uns mit Liebe zum Detail daran teilhaben, was damals seinen kindlichen
Lebensmut aufrechterhalten konnte. So werden wir behutsam herangeführt
an das Erleben eines diesem System ausgelieferten Kindes, dessen Sehnsucht
nach Mutterliebe, Zärtlichkeit und Zugehörigkeit und dessen
Kampf um seine eigene Identität und seine Befreiung. »Mundtot« heißt das Werk. Und wer es liest, wird erst
einmal sprachlos sein. Denn das Buch ... ist erschütternd und ergreifend.
... Das Buch hat bei Fachkritikern Lobeshymnen ausgelöst. ... Wir verdanken ihm einen Einblick in eine deutsche Nachkriegspsychiatrie,
in der die Auswirkungen der Euthanasieprogramme des Nationalsozialismus
noch spürbar waren. Der Autor erspart uns die ausführliche Beschreibung
seiner Leiden. Sie finden eher sachliche Erwähnung. Dagegen lässt
er uns mit Liebe zum Detail daran teilhaben, was damals seinen kindlichen
Lebensmut aufrechterhalten konnte. So werden wir behutsam herangeführt
an das Erleben eines diesem System ausgelieferten Kindes, dessen Sehnsucht
nach Mutterliebe, Zärtlichkeit und Zugehörigkeit und dessen
Kampf um seine eigene Identität und seine Befreiung. Dieser Erfahrungsbericht eines »Heimkindes« aus der Nachkriegszeit
sollte zur Lektüre alle KollegInnen werdn, die im Bereich der Heimpädagogik
erziehen, Lehren oder Supervision geben. Man kann hier hautnah erfahren,
wie es jemandem geht, der immer wieder in die Situation kommt, nicht erwünscht
zu sein und/oder sich so zu fühlen ... »Ungeglättete Realität: ... Das Buch besticht durch seine
Lebensnähe. Die Texte sind unverändert, nicht geglättet
und in schöne Formen gebracht, und das ganz bewusst. Sie sollen und
wollen die schlichte schwere Realität zeigen.« »Süße leckere Bonbons, die mich müde machten«
»The author of this moving book war born in 1946, the son of a
German woman und an Russian soldier of the occupying army. Abandoned by
his mother on the insistence of her German husband, he was placed in a
Catholic children's home in Westphalia, where he was subjected to a stifling
and highly authoritarian regime, often reinforced by the administration
of drugs and physical violence. ... After 15 years in the establishment
and various failed attempts to escape, he was finally rescued by his guardian,
a baker. ... This eloquent book is both an indictment of the educational
system to which the author was subjected and a testimony to his courage
and will to affirm his own humanity in the face of inhuman circumstances. ... Eine kurze Erzählung und etliche Dokumente geben nun Zeugnis
von dieser ungewöhnlichen Lebensgeschichte. Ein aktuelles Interview
und kurze Beiträge vorzugsweise therapeutischer Profis ordnen sie
in den zeit- und entwicklungspsychologischen Zusammenhang ein. Sehr geehrter Herr Schubert, ... Niemand weiß, wie viele Nachkriegs-Geborene Schuberts Schicksal
teilen. Er ist der erste, der es aufgeschrieben hat. Vermutlich ist er
auch einer der wenigen, die der Mühle aus »Idiotenanstalt«,
Kolonnenarbeit und chemischer Keule entronnen sind. ... Seine Autobiographie
wartete mehr als 20 Jahre auf einen Verleger. Jetzt, da Schubert einen
gefunden hat, will er dran bleiben: Noch in diesem Jahr soll ein Kinderbuch
erscheinen. Ein Kinderbuch von einem, der keine Kindheit hatte. In diesem autobiografischen Text liegt die Summe eines gleichermaßen
schrecklichen und Hoffnungsvollen Lebens vor. ... Letztendlich gelingt
es ihm im Schreiben, die jahrelange Ohnmacht zu überwindn. Ein äußerst
berührender Bericht. ... ein Buch lesen oder, noch besser, aufschreiben, was einen belastet.
Das kann Menschen sogar gesünder machen, sagen Fachleute ... doch
dazu braucht man Mut und Selbstüberwindung wie Jürgen Schubert
aus Aachen ... Weitere Rezensionen erschienen u.a. in: Stuttgarter Zeitung ·
Köln-Bonner Rundschau · Westfalenpost, Tageszeitung für
Werl · Rheinbacher Stadtzeitung · Rundschau an Rhein und
Sieg · Rheinbacher General-Anzeiger · Stadtmagazin Plärrer,
Nürnberg · Löhner Zeitung · Norddeutsche Kirchenzeitung
· Blick, Allgemeiner Anzeiger für Südniedersachsen ·
Neue Westfälische, Herford · Jahrbuch 2000 der SOS-Kinderdörfer
· Blick, Göttinger Stadtillustrierte |
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